IM PORTRAIT

 
Georg Glasl / Kochel, München, Bayern

Christina Maurer / Wagrain, Salzburg

Isabella Moser / Dölsach, Osttirol

Gernot Niederfriniger / Vinschgau, Südtirol

Wolfgang Schipflinger / Kirchdorf, Nordtirol

Florin Pallhuber / Klausen, Südtirol

Prof. Peter Suitner - 80 / Innsbruck, Nordtirol

Prof. Peter Suitner - 85 / Innsbruck, Nordtirol


Georg Glasl

Bild Georg Glasl   Georg Glasl

Georg Glasl wurde 1957 in Kochel am See geboren; er studierte zunächst am Richard - Strauss - Konservatorium in München Zither bei Lili Grünwald-Brandlmeier und Gitarre bei Santiago Navascues. Anschließend setzte er sein Gitarrestudium am Salzburger Mozarteum bei Prof. Barna Kovats fort. 1988 erhielt er den Förderpreis der Landeshauptstadt München, seit 1989 war er Dozent für Zither am Richard-Strauss-Konservatorium München und seit 2008 unterrichtet er an der Hochschule für Musik und Theater München, wo man mit der Zither eine Vielzahl von Studien belegen kann. Zahlreiche Zitherstudierende sind seither seine Schüler gewesen und nun als engagierte Musikschullehrer und auf Zitherseminaren aktiv, manche haben solistisch bzw. als Ensemblemusiker den Sprung aufs Konzertpodium geschafft und einige sind im DZB (Deutscher Zithermusikbund) tätig und konnten dort schon viel bewegen; Georg Glasl selbst hat die Präsidentschaft beim DZB 2012 übernommen und hat in kurzer Zeit tiefgreifende qualitätvolle Änderungen bewirken können.
Georg Glasls dringendstes Anliegen ist es, neben der Pflege traditioneller Volksmusik und dem Adaptieren Alter Musik zeitgenössische Komponisten anzusprechen, sie für die Zither zu begeistern und ihre dabei entstandenen Werke der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Das hat ihm innerhalb der »Zitherwelt« nicht immer nur zu Zustimmung verholfen - man darf aber nie übersehen, dass durch seinen Einsatz Komponisten, Veranstalter und Festivals auf die Zither aufmerksam geworden sind, die sich »normalerweise« nie diesem Instrument geöffnet hätten. Alte und Neue Musik, die auf Georg Glasls Engagement hin entstanden sind, finden sich in seiner »Edition Zither«, dem Verlag »433«, und bei Cavalli-Records. Seit 1995 findet regelmäßig im Zweijahrestakt ein Zitherfestival in München statt, das Georg Glasl gemeinsam mit seinen Studenten und dem Bayerischen Volksbildungsverband ins Leben gerufen hat. Das Wochenende ist jedes Mal randvoll mit Konzerten, Vorträgen und Ausstellung und bietet immer wieder einen gründlichen Einblick in die Szene. Man kann hier ganz traditionelle Ensembles - nicht nur alpenländische! - neben jazzigen Formationen, Solisten neben Zitherorchestern, Alte Musik neben avantgardistischen Klängen, und das alles in ausgesuchter Qualität und unter einem bestimmten Motto erleben. 2004 gab es erstmals im Vorfeld des Festivals einen internationalen Wettbewerb für junge (Ernst-Volkmann-Preis) und ganz junge (Nachwuchsförderpreis) Zitherspieler, bei dem erfreulich viele Musiker aus allen Richtungen (Deutschland, Österreich, Tschechien, Slowenien, Italien) dabei waren. Müßig zu erwähnen, dass auch dieser Wettbewerb auf Georg Glasls Initiative gründet.
(ij, 2013)

www.georgglasl.de Website von Georg Glasl
www.zither9.de Festivalprogramm von "Zither 9" 2012
www.verlag433.de verlegt u.a. Kompositionen, die von Georg Glasl angeregt wurden
www.edition-zither.de von Georg Glasl initiierter Verlag, Transkriptionen und Kompositionen für Zither
www.cavalli-records.de CDs von Georg Glasl sind hier erschienen
www.zitherbund.de Website des Deutschen Zithermusik-Bundes


Christina Maurer

»...ohne Zither geht es nicht...«

Bild Christina Maurer   Christina Maurer

Christina Maurer aus Wagrain (Salzburg) wurde 1986 in ein musisches Umfeld geboren: In der Familie Maurer war und ist es selbstverständlich, gemeinsam zu singen und zu musizieren und der örtlichen Blasmusik anzugehören. Auf die Zither wurde Christina Maurer im Alter von neun Jahren im Bekanntenkreis aufmerksam: Ein Mädchen, ein paar Jahre älter als sie selbst, spielte Zither und das Instrument begeisterte Christina nachhaltig. Sie begann, Zither zu spielen und war bei Birgit Ponemayr am Musikum Altenmarkt im Pongau in besten Händen. Obwohl sie als Kind und Jugendliche vor dem Musikstudium schon einige Instrumente, nämlich Blockflöte, Querflöte, Hackbrett und Gitarre erlernte, kristallisierte sich die Zither bald zu ihrem Lieblingsinstrument heraus. Woran das lag und bis heute andauert? Für Christina war und ist es »...der Klang, der Charme des Instruments, die vielen Möglichkeiten, die Zither ist einfach etwas Besonderes.«
Auch die schulische Laufbahn war musisch geprägt, Christina Maurer besuchte nach der Volksschule die Musikhauptschule St. Johann und anschließend das BORG (Bundesoberstufengymnaium) mit musischem Zweig in Radstadt. Und dann, das Musikstudium als nächster logischer Schritt!? Nein, nicht unbedingt. Christina war sich nach der Matura keineswegs so klar darüber, wie es weitergehen sollte; die Musik zum Beruf zu machen, schloss sie vorerst aus. Obwohl sie nichts lieber tat als zu musizieren - oder vielleicht gerade deshalb - hatte sie Angst, dass - wenn das Hobby zu Studium und Beruf würde - Freude und Spaß in den Hintergrund treten und sie das für sie Essentielle womöglich verlieren würde. (Übrigens eine Befürchtung, die sie mit gar nicht so wenigen teilt...). Dass sie sich dann nach einem längeren Auslandsaufenthalt (drei Monate an der Westküste der USA) dennoch entschloss, ihr Musikstudium zu beginnen, ist dem guten Beispiel einiger Freunde und Musikerkollegen sowie ihrer inneren Einsicht (»...ohne Zither geht es nicht...«) zu verdanken. Sie studierte also an der Universität Mozarteum Salzburg Zither - bei Harald Oberlechner - und Hackbrett bei Petra Rischanek - sowie den Schwerpunkt EMP (elementare Musikpädagogik) und erlangte die akademischen Grade Bachelor (2010) und Master (2013): Ein Studium, das geprägt war von wichtigen Begegnungen, nachhaltigen Musikerfreundschaften und der Erkenntnis, dass die intensive Beschäftigung, das Eintauchen in die Musik letztlich nicht ein Weniger, sondern ein Vielviel-Mehr an Freude, bleibendem Interesse und Neugier bedeutet, auch wenn es manchmal anstrengend und bestimmt nicht immer leicht ist, durchzuhalten.
Schon während des Studiums hatte Christina Maurer Gelegenheit, die Unterrichtspraxis kennenzulernen, mittlerweile unterrichtet sie an drei Musikschulen des Musikum Salzburg - in St. Johann im Pongau, in Bischofshofen und in Saalfelden - Zither, Hackbrett und Ensemblestunden. Dass das Unterrichten ihr absoluter Traumberuf ist, wird schnell klar, wenn sie von ihrem jüngsten Arbeitsprojekt, GMU (ganzheitlicher Musikunterricht) an der Volksschule, erzählt. Als leidenschaftliche und hervorragende Volksmusikantin macht sie hier die Kinder mit dem Volkstanz vertraut und kann ihre Vielseitigkeit (Singen, Orff-Instrumente, Rhythmusspiele, Bewegung und Musik) direkt umsetzen. Auf die Frage, wie junge Menschen für die Zither begeisterbar sind, sprudelt es geradezu aus ihr heraus: 150-prozentig hinter dem Instrument stehen, viel Werbung auf Eigeninitiative in den Volksschulen betreiben, dabei die Schüler einbeziehen (Rhythmusinstrumente), sie an der Zither probieren lassen, Lieder spielen, die sie kennen, ein Merkblatt verteilen, auf dem komprimiert die wichtigsten Infos zum Instrument und zum Lehrer (Kontaktaufnahme, Angebot einer Schnupperstunde), zu finden sind; diesbezügliche Zusammenarbeit mit anderen Lehrern anderer Fachgruppen; in dem Gebiet, wo man unterrichtet, präsent und aktiv tätig sein....
Eine weitere Herausforderung - nicht nur für Zitherlehrende - ist die Kunst, Schüler bei der Stange zu halten und Veränderungen (Pubertät, Schulwechsel) so zu begleiten, dass sie nicht zwangsläufig mit der Abmeldung von der Musikschule einhergehen. Christina Maurer begegnet diesen Hürden, indem sie völlig authentisch und selbstbewusst zum Instrument und zum Unterrichten steht, auf Persönlichkeit und Alter individuell eingeht, bemüht ist um passende und aktuelle Literatur, ihren Unterricht abwechslungsreich gestaltet, Bodypercussion, Hörspiele, Improvisation, auch nach Gehör/ohne Noten Spielen mit einbezieht , ihre Schüler immer wieder in unterschiedliche Ensembles zusammenfasst und »Spielereien«, Auftrittsmöglichkeiten organisiert.
Der Erfolg gibt ihr Recht: Sie betreut an die 20 Zitheristi, Tendenz steigend; sie durfte schon drei Schülerinnen (zwei Zithern, ein Hackbrett) bis zur Oberstufen-Abschlussprüfungen betreuen; die beiden Zitherspielerinnen haben anschließend die Aufnahmeprüfung am Konservatorium bestanden, und Christina Maurers Schüler sorgen immer wieder für hervorragende Leistungen beim Wettbewerb »prima la musica«.
Und wenn sie nicht gerade einen großen Zithertag mitorganisiert (wie im Frühjahr 2013 in Bergheim bei Salzburg, mit vielen Ensembles des Musikum Salzburg, mit Workshops und einem großen Konzert am Abend) oder einen Almtag für alle ihre Schüler plant, wird man Christina Maurer am ehesten bei sportlichen Aktivitäten (Joggen, Schifahren, Touren-Gehen, Bergwandern) antreffen, ihrem Ausgleich und Gegenpol zur intensiven Musikarbeit - oder doch singend und musizierend in einem ihrer regelmäßig gepflegten Ensembles (3-fach zithrig, KonTrio, Dreigesang mit Schwester und Freundin...). (ij, 2014)


Isabella Moser

Bild Isabella Moser   Isabella Moser

Ihren ersten Zitherunterricht erhielt Isabella Moser mit neun Jahren an der Musikschule Lienz bei Erna Bodner. Von 1994-1998 studierte sie am Kärntner Landeskonservatorium bei Ilse Bauer-Zwonar Zither und absolvierte den Volksmusiklehrgang (Hauptfach Hackbrett). Anschließend begann sie Ihr Zitherstudium bei Georg Glasl am Richard-Strauss-Konservatorium in München, das sie als Diplommusiklehrerin und mit der Konzertreife abschloss. Seit dem Schuljahr 2001/2002 bestand nämlich in München am Richard-Strauss-Konservatorium in Kooperation mit der Hochschule für Musik Nürnberg/Augsburg für Zitherspieler die Möglichkeit, einen Hochschulabschluss zu erlangen (mittlerweile ist das Zitherstudium ohnehin seit 2008 an der Hochschule für Musik und Theater München verankert). Dazu gehörte auch, dass man eine schriftliche Arbeit abliefert, Isabella Moser hat sich darin einem wichtigen Schulwerk gewidmet: »Richard Grünwald (1877-1963): Meine Methode - Entstehung, Konzept und Rezeption eines Schulwerkes«.

Isabella Moser unterrichtet an den Landesmusikschulen Lienzer Talboden und Sillian/Pustertal Zither und Hackbrett, ist volksmusikalisch (Lienzer Zithermusig) und konzertant (solistisch und kammermusikalisch) aktiv und war auch schon bei zahlreichen Seminaren und Workshops als Lehrkraft zu erleben! (ij)


Gernot Niederfriniger

Bild Gernot Niederfriniger   Gernot Niederfriniger

stammt aus Eyrs/Vinschgau, geb. 1974. Seinen ersten Zitherunterricht erhielt er bei Martin Moriggl an der Musikschule Oberer Vinschgau. Bald machte er sich selber (!) auch mit dem Raffele vertraut. Ab 1989 besuchte er die Innsbrucker Musikschule, wo er die Fächer Zither
(bei Manfred Mingler) und Harfe belegte.
Anschließend begann Gernot Niederfriniger sein Studium der Instrumentalpädagogik (IGP) am Tiroler Landeskonservatorium, das er im Hauptfach Zither (bei Harald Oberlechner) und Schwerpunktfach (=2. Instrument) Blockflöte (bei Wiltrud Schreiner) 1995 abschloss.

Als wahrer Multiinstrumentalist unterrichtet er an der Musikschule Oberer Vinschgau Zither, Raffele, Harfe, Hackbrett, Blockflöte und Steirische Harmonika. Daneben ist er Chorleiter des »Vinschger Chores«, Referent auf zahlreichen Volksmusikseminaren (u.a. Leiter der Südtiroler Schwegelwoche) und vielfältig tätiger aktiver Musiker/Musikant:
Gemeinsam mit Martin Moriggl (Gitarre) spielt er seit ca.1990 als »Obervinschger Raffelemusi«, ist Leiter der »Vinschger Schwegelpfeiffer«, Mitglied des »Ensemble Psalteria Innsbruck« und organisiert mit drei weiteren engagierten Südtiroler Zither- und Hackbrettlehrerinnen (Barbara Grimm, Andrea Leiter-Pircher und Margit Nagler-Ploner) unter dem Motto »Saitensprung« Konzerte, bei denen v.a. das Hackbrett, aber auch die Zither, in ungewohnter und gewohnter Weise zu hören sind. Außerdem ist Gernot nie ohne eines seiner vielen Hosensackinstrumente (Okarina, Nasenflöte) anzutreffen.

Gernot Niederfriniger hat zahlreiche Werke Alter Musik für Zither solo (z.B. von Silvius Leopold Weiss, Mauro Giuliani, Francesco da Milano, Francois Couperin / vieles im Psalteria-Verlag erschienen) bearbeitet, ist für mehrere Ausgaben des Instituts für Musikerziehung verantwortlich (Raffeleheft, Saitenmusigheft, Zitherheft, Schwegelheft in Arbeit) und komponiert auch einmal das eine oder andere Musikstück für sich oder seine Schüler.
(ij, 2002)


Wolfgang Schipflinger

Bild Wolfgang Schipflinger   Wolfgang Schipflinger

Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass dem jungen Tiroler Zitherspieler und -lehrer Wolfgang Schipflinger Instrument und Beruf in den Genen stecken. Sein Vater Leonhard war ein begnadeter Musiklehrer in St. Johann/Tirol, der zahlreiche hervorragende Zitherspieler »herangezogen« hat, darunter Harald Oberlechner und Martin Mallaun.
Als die Eltern bescheiden und auch stolz zum ersten Mal mit ihrem Sohn Wolfgang am Innsbrucker Konservatorium vorstellig wurden, war sofort klar: Hier saß ein sehr begabter junger Mann an der Zither. Nach einem kurzen Abstecher ins Musikgymnasium Innsbruck stieg Wolfgang Schipflinger bald in die Lehrerausbildung ein und absolvierte sein Studium bei Harald Oberlechner. Das Hauptfach Zither ergänzte er - erstmalig und bislang einzigartig! - mit einem Jazz-Schwerpunkt. Obwohl schon beruflich an mehreren Musikschulen aktiv, erweiterte er seine Studien noch um die Lehrbefähigung auf dem Hackbrett, ein wichtiges Standbein zur Vollbeschäftigung.
Wolfgang Schipflinger ist einer der jüngsten Zitherlehrer in Tirol und hat es in kurzer Zeit geschafft, in der Zitherszene kräftig umzurühren; er vermag es, die Jugend anzusprechen und zu motivieren, Begeisterung auszustrahlen und weiterzugeben. Seine Schüler sind auch auf diversen Wettbewerben sehr erfolgreich, kann ja Wolfgang Schipflinger selbst auf eine rege und lohnende Wettbewerbserfahrung zurückblicken. Er war schon bei nationalen (Prima la musica) und internationalen (Alpenländischer Volksmusikwettbewerb; Ernst-Volkmann-Preis) Wettbewerben dabei und hat solistisch und im Ensemble aufhorchen lassen. So musiziert er praktisch lebenslang mit seinem Gitarrekollegen Maximilian Hechenblaikner zusammen. Die beiden verbindet vieles, haben doch schon die Väter miteinander musiziert und die Söhne nun gemeinsam das Musikstudium (Lehramt und Jazz) absolviert. Ob volksmusikalisch als - nun verjüngter - Teil der legendären Leukentaler Saitenmusig oder klassisch-modern als Duo Mirage, alles wird gewissenhaft-intensiv gepflegt und hat sich bereits in CD-Produktionen niedergeschlagen. Wolfgang Schipflingers pädagogische Begabung macht ihn zu einem wiederholt gefragten Dozenten, sowohl regional (Musizierwoche Rotholz; Jugendmusierwoche Weitau; Musizierwochenende Kronburg) als auch national (Pfingstseminar Zeillern; Vielsaitenfestival Wels) und international (Seminar in Illgau/Schweiz oder bei citre-cetra-zither in München). Zur Zeit unterrichtet er an den Landesmusikschulen Brixental, Kufstein und Stubaital rund 25 Zitherschüler, genießt das privat und beruflich harmonische Zusammenleben mit seiner Partnerin Mirjam - ebenfalls Musiklehrerin - im frisch errichteten Eigenheim - und im Keller sorgt ein geräumiger, häufig genutzter Proberaum dafür, dass es im Haus nicht allzu still wird. (ij, 2015)


Florin Pallhuber

in Südtirol vielschichtig für die Zither aktiv

Bild Florin Pallhuber   Florin Pallhuber

Florin Pallhuber stammt aus Bozen, der Hauptstadt Südtirols. Zur Zither kam er über einen Umweg: Seine älteren Geschwister lernten bereits Zither und Gitarre und die Eltern meinten, ein Hackbrett würde noch gut dazupassen. Florin war beim »Erstkontakt« etwas enttäuscht, hatte doch der Bub zuvor ein Hackbrett weder gehört noch gesehen und sich eher ein Blasinstrument darunter vorgestellt! Bald wich dieser Ersteindruck großem Interesse, und der Spaß beim gemeinsamen Volksmusikspiel bestimmte die ersten musikalischen Gehversuche.

Allmählich begann sich Florin für das Instrument seines Bruders zu begeistern und er begann im Alter von 14 Jahren ebenfalls mit dem Zitherspiel. Bei Gretl Chiocchetti in der Musikschule Bozen machte er große Fortschritte und durfte bald zu Zitherseminaren mitfahren. Die Faszination des Zitherspiels, Klangfarbenreichtum und Harmoniefähigkeit des Instruments, solistisches Spiel, ein- bis dreistimmiges Melodiespiel, Polyphonie: Das alles begeisterte ihn und lässt ihn bis heute nicht mehr los. Trotzdem - Florin Pallhubers berufliche Entscheidung fiel zunächst nicht zugunsten der Musik aus. Doch nach ein paar Jahren als Bankangestellter hatte er ein großes Bedürfnis nach Veränderung und kündigte die Anstellung noch am gleichen Tag, an dem er die Aufnahmeprüfung ins Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck bestand. Bei Isolde Jordan und Harald Oberlechner studierte er Lehramt Zither, bei Otto Ehrenstrasser absolvierte er den Volksmusiklehrgang.

Nach dem Studium in Innsbruck - das er mit Bravour beendete - war er leider mit der bizarren Situation konfrontiert, dass sein Zitherabschluss in Italien nicht anerkannt wurde. Er studierte nun auch noch Gitarre am Bozner Konservatorium und wurde hauptamtlicher Gitarrelehrer. Die Volksmusik blieb all die Jahre hindurch sein Spezialgebiet, hier war und ist er kreativ, seine Stücke finden in zahlreichen Notenausgaben Niederschlag, seine ideenreiche, ausgeklügelte wie improvisatorische Musizierpraxis ist auf mehreren CDs zu hören, er schreibt und arrangiert ausgiebig, spielt in verschiedensten Besetzungen, unterrichtet auf Volksmusikseminaren und wurde Mitarbeiter beim Referat Volksmusik in Südtirol, wo er u.a. mit der Organisation von Seminaren, dem Arrangieren für bestimmte Besetzungen, der Beratung bestehender Volksmusikgruppen (hinsichtlich Literatur und Interpretation) und dem Projekt Musigkistl (Themenhefte mit Volkskultur/Volksmusik für den Grundschulunterricht) betraut wurde.

Die Summe all dieser Tätigkeiten und Ausbildungsschienen bilden die optimale Voraussetzung für Florin Pallhubers neuestes Wirkungsfeld an der Musikhochschule Bozen, dem Claudio Monteverdi Konservatorium, wo er seit dem Schuljahr 2015/16 einen Lehrauftrag für Zither innehat. Nicht nur Zitherunterricht, sondern auch auf die Volksmusik-Praxis bezogene Fächer wie Arrangement, Improvisation, Ensemblespiel und Tonsatz obliegen seinen kundigen Händen.

Und privat? - Mit Michaela Pallhuber, seiner Ehefrau verbindet ihn eine langjährige musikalische Zusammenarbeit, sie wirkt als versierte Gitarristin und Harfenistin in allen Ensembles gemeinsam mit Florin mit. Kein Wunder, dass für Florin Pallhuber die Musik Beruf, Berufung und liebste Freizeitbeschäftigung gleichermaßen bedeutet. (ij, 2016)

 
Publikationen:

CD-Einspielungen (Eisenkellermusig, Altmühldorfer Musikanten, Lichtenstern Soatnmusig und Ensemble Holzklang).

5 Notenhefte für Saitenmusik, 4 Notenhefte für Gitarrenduo oder -trio, 2 Hefte für Zither solo, erschienen beim Karl Edelmann-Verlag sowie beim Verlag Psalteria.

8 Ausgaben mit Tänzen, Liedern, Wissenswertem zu Brauchtum und musikalischer Volkskultur, erschienen beim Referat Volksmusik.


Prof. Peter Suitner 80

Bild Peter Suitner   Peter Suitner

Peter Suitners (* 1928) Bedeutung für die Zitherwelt geht weit über die Grenzen Tirols hinaus, er hat wichtige pädagogische und künstlerische Weichen gestellt. Sein Geburtstag ist ein willkommener Anlass, Leben und Arbeit dieser vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit näher zu beleuchten.

Nach einem Musikstudium in Innsbruck absolvierte Peter Suitner in Wien die Lehrbefähigungsprüfung für Zither und unterrichtete von 1960 bis 1988 am Konservatorium in Innsbruck (Zither, Musiktheorie, Tonsatz und Hörbildung). Dabei etablierte er die Zither als klassisches Instrument und ermöglichte dadurch vielen Zitherspielern, die staatliche Lehrbefähigung zu erlangen, die künstlerische Diplomprüfung abzulegen, beim Jugendwettbewerb »Jugend musiziert« (jetzt »Prima la musica«) mitzuwirken und das Musikgymnasium zu besuchen. Zahlreiche Zitherlehrer aus dem ganzen Bundesgebiet waren Peter Suitners Schüler, denn Innsbruck war lange Zeit die einzige österreichische Ausbildungsstätte für Standardbesaitung.

Neben dieser pädagogischen Arbeit war und ist Suitner auch als Komponist eine allgemein ge- und beachtete Persönlichkeit im Lande. Er hatte einen Lehrauftrag am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck inne, war langjähriger freier Mitarbeiter beim österreichischen Rundfunk (ORF) als Komponist, Arrangeur, Interpret und Abhörer und hat vor allem durch sein vielseitiges kompositorisches Schaffen (Lieder, Klaviermusik, Chorsätze, Bühnen-, Film- und Hörspielmusiken, Kantaten, Streichquartette, Kompositionen für großes Orchester) Bekanntheit erlangt. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen würdigen sein Schaffen.

Aus zitheristischer Sicht wegweisend bleibt seine umfangreiche Zitherschule. Das starke Augenmerk auf differenziertes Freisaitenspiel war damals nicht unumstritten (gerade unter Volksmusikanten), aber ungemein wichtig als Nährboden für die qualitätvolle und stilistisch adäquate Interpretation Neuer und Alter Musik. Peter Suitner hat mit seinen Etüden (es finden sich in seiner Schule viele davon), seinen Folklore-Sätzen und durch seine Beschäftigung mit Alter Musik (absolute Pionierleistung sind seine Tabulatur - Transskriptionen von Renaissancemusik sowie die Bearbeitungen vollständiger barocker Suiten für Zither) gezeigt, wo die Zither noch weitere Qualitäten und »Spielwiesen« hat neben alpenländischer Volksmusik und klassisch-romantischen Originalkompositionen.

Und damit nicht genug, widmet er sich - ebenso wie seine Gattin Erika - auch intensiv der Malerei.

Es macht uns stolz, seine Schüler gewesen zu sein - unvergesslich, wie er am Klavier Meisterwerke zitierte oder gar frei improvisierte, wie er musikalische Gestaltung und Kreativität forderte und förderte. Wir gratulieren herzlich und wünschen noch viele klangvolle und farbige Jahre!

(Isolde Jordan und Harald Oberlechner, August 2008)

Zeitungsartikel
»kons«-Artikel Peter Suitner

Bild Peter Suitner

 

Werkauswahl für Zither

Fünf Stücke für Flöte und Zither
Lautentabulaturen und Stimmbücher, Zither solo
Fünf Stücke, Zither solo
Schulwerk »Das kleine Saitenspiel«, 10 Bände
Brescianello, Sonaten und Partiten
Skandinavische Lieder und Tänze, Zither solo
LP (jetzt als CD) »Renaissancemusik«
Notenausgaben: Preißler-Verlag www.preissler-verlag.de
CD: TSS Records www.tssmusic.com


Prof. Peter Suitner - 85 / August 2013

»Folglich allzeit Musik bleiben Muß...«

Bild    Bild Peter Suitner ist ungebrochen aktiv künstlerisch tätig,
täglich komponiert er mit Tönen und Farben

Kürzlich begegneten wir einem Lehrer-Kollegen im Tiroler Landeskonservatorium. Wir kamen auf Peter Suitner zu sprechen, den wir von verschiedenen Seiten her kennen. Für uns ist Suitner einer unserer prägendsten Zitherlehrer, für Otto Ehrenstrasser war er der Theorielehrer, einer, der Tonsatz, Harmonielehre und Hörbildung auf unvergessliche, mitreißende Art unterrichtete, praxisbezogen und originell, mit großem Wissen, viel Witz und Ironie. Wir selbst sind leider nur mehr spärlich in den Genuss dieser Vorlesungen gekommen, weil sich Suitner in den späteren Jahren mehr und mehr der Zitherlehrerausbildung widmete: Die Nachfrage danach war zu groß geworden. Aber dass nicht nur sein Engagement für die Zither, sondern auch sein Theorieunterricht legendär war und er Generationen von Musiklehrern geprägt hat, löst in uns heute noch ein Gefühl von »Fremd-Geehrt-Sein« aus. Abgesehen davon hat Prof. Suitner durch sein umfangreiches kompositorisches Schaffen in vielen Bereichen der Musik einen großen Bekanntheitsgrad erlangt, besonders mit seinen Werken für Klavier, Streichquartett, Chor und seinen Liedvertonungen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die komplexe Begabung und vielfältige Schaffenskraft Suitners - er arbeitete neben seiner Lehrtätigkeit am Konservatorium auch am musikwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck und beim Österreichischen Rundfunk (ORF) - hatte mit Sicherheit einen positiven Nebeneffekt auf die Akzeptanz unseres Instruments, der Zither. Mit ihm war auch dieses Instrument, das er als Pädagoge am Innsbrucker Konservatorium mit-verkörperte, ein gleichwertiges Instrument mit klassisch-künstlerischem Anspruch, auch bei Personen, die sonst nie mit der Zither in Berührung kamen; und das weit über Suitners beruflich-aktive Zeit hinaus. Wir als seine Nachfolger profitieren noch heute in vielfältiger Weise unmittelbar davon.

Peter Suitner bildete zahlreiche Zitherlehrer aus dem ganzen Bundesgebiet aus, Innsbruck war ja seit den 1970er Jahren für lange Zeit die einzige diesbezügliche Ausbildungsstätte in Österreich. Er ermöglichte die Teilnahme der Zither bei »Jugend musiziert« (1987), - vorerst nur auf Landesebene. Später zogen allerdings andere Bundesländer nach und ab 2000 war die Zither erstmals beim Bundeswettbewerb dabei. Der durch ihn erzeugten positiven Grundhaltung dem Instrument gegenüber ist es zu verdanken, dass die Zither neben der instrumentalpädagogischen Ausbildung auch im Musikgymnasium und im Konzertfachstudium verankert ist.
Wo sind nun seine über das Berufliche hinausgehenden Spuren und Weichenstellungen für uns Zitherspieler? Da ist zum einen sein Schulwerk »Das kleine Saitenspiel«, das umfangreich (10 Bände) untermauert, was ihm besonders wichtig war: Augenmerk auf das Freisaitenspiel, der Grundlage für künstlerisches, satztechnisch korrektes und polyphones Musizieren, stilistische Vielfalt (Alte Musik, Folklore), Hinwendung zu Neuem (eigene Etüden). Zum anderen sind seine zahlreichen Bearbeitungen Alter Musik zu nennen, mit denen er absolutes Neuland betrat und wichtige Impulse setzte. Leider gibt es nicht viele Eigenkompositionen Peter Suitners für Zither, doch diese sind richtungsweisend. Wenn man die vielen Übungsstücke, die die Zitherschule enthält und unter denen wahre Kleinode zu finden sind mit einrechnet, sind es gar nicht so wenige. Suitner bleibt zwar der Tonalität immer treu, findet darin dennoch seine charakteristische Tonsprache; Kirchentonalität, Jazz-Harmonik, zusammengesetzte Rhythmen, Taktwechsel: damit spielt er und lässt er spielen. Detail am Rande für alle, die ihn nur abseits der Volksmusik wähnen: Auch Bairische Zwiefache machen ihm ungemein Spaß. Für den Komponisten Suitner war und ist Mozarts Dictum allezeit wegweisend, wonach »die Musick, auch in der schaudervollsten lage, das Ohr niemalen beleidigen, sondern doch dabey vergnügen muss, folglich allzeit Musick bleiben Muß.«

Im Namen des Tiroler Landeskonservatoriums gratulieren wir herzlich zum Geburtstag!

Isolde Jordan und Harald Oberlechner

Abgedruckt in der Zeitschrift KONS 10
Lesen Sie mehr zum Komponisten Peter Suitner im Artikel von Andreas Pfeifer in der KONS 1 Ausgabe Frühling 2009

www.konstirol.at/bibliothek/publikationen/