IN MEMORIAM

 
In memoriam Prof. Dr. Günther Andergassen / Bozen, Innsbruck

In memoriam Martin Antretter / Westendorf, Nordtirol

In memoriam Roland Jordan / Innsbruck

In memoriam Norbert Leutschacher / Innsbruck

In memoriam Anny und Franz Loibl / Wien

In memoriam Adolf Meinel / Markneukirchen, Sachsen

In memoriam Ernst Volkmann / Ingolstadt, Bayern


In memoriam Prof. Dr. Günther Andergassen

Bild    Günther Andergassen

Prof. Dr. Günther Andergassen (17.4.1930 - 19.1.2016) - war eine markante Musikerpersönlichkeit (Komponist, Chorleiter, Musikpädagoge), die vielen Musiklehrern in Tirol als universell gebildeter (Romanistik, Anglistik, Kunstgeschichte, Philosophie, Musikwissenschaft) und engagiert und vielseitig Unterrichtender am Tiroler Landeskonservatorium in Erinnerung ist. Er war der wesentliche Motor für den Aufbau der modernen Musiklehrer-Ausbildung (Instrumental-und Gesangspädagogik IGP); zahlreiche Preise und Ehrungen würdigen sein Schaffen. Als Komponist hinterlässt er uns Zitherspielern zwei richtungsweisende Werke, den »Zyklus für Zither« (Preissler-Verlag), ein höchst anspruchsvolles, akribisch durchgearbeitetes Stück, und den »Jahreskreis«, 14 Lieder auf japanische Haikugedichte für Sopran und Zither (Psalteria-Verlag), ein atmosphärisch-dichtes, in Naturmystik ruhendes und atmendes Werk.

Anlässlich des Requiems für Prof.Dr. Günther Andergassen hielt Dr. Nikolaus Duregger, Direktor des Tiroler Landeskonservatoriums, folgende Ansprache:
»Kämpfer für den Frieden war er und streitbarer Geist der Versöhnung.
Paradoxa nur auf den ersten Blick!
Ja, Günther Andergassen war ein streitbarer Mensch, nicht scheute er den Konflikt!
Friede kann nachhaltig nur auf dem Boden der Freiheit und Gerechtigkeit herrschen, war seine feste Überzeugung. Probleme unter den Teppich zu kehren, krumme Kompromisse einzugehen oder träge Toleranz an den Tag zu legen, waren für ihn Zeichen der Unlauterkeit, der Schwäche und fatale Vorboten des Verhängnisses von morgen.
Das faschistische Siegesdenkmal in Bozen war für ihn das sichtbare Zeichen der Ungerechtigkeit, der Arroganz, der Unterdrückung »seiner« Sprache und Kultur. Sein furchtloser, konsequenter Kampf gegen dieses Denkmal und den Geist, den es verkörpert, kosteten ihn sieben lange Lebensjahre in italienischen Gefängnissen.
Andergassen war eine starke Persönlichkeit, eine erstaunliche Persönlichkeit: Er war streng und freundlich, er war mitunter fast pedantisch genau und hatte doch den weiten Blick des Künstlers und Kulturmenschen, er war leidenschaftlich Lehrender und zeitlebens Lernender, er war Scholastiker und Mystiker, Wissenschaftler und Christ, aber nicht hin- und hergerissen zwischen diesen vielfältigen Facetten seines Wesens, sondern ruhte kompakt und authentisch in ihnen.
Ab 1958 unterrichtete er am Mozarteum Salzburg Musikgeschichte, Chorwesen, Tonsatz und Kunstgeschichte.
Im Jahr 1961 rief ihn Kurt Rapf ans Konservatorium nach Innsbruck und beauftragte ihn mit dem Aufbau der pädagogischen Abteilung.
In den dreißig Jahren bis 1991 (unterbrochen durch die sieben Jahre der Gefangenschaft) war er Lehrer für Komposition, Tonsatz, Kulturkunde, Chorleitung, Leiter des Seminars B bzw. später der Instrumental- und Gesangspädagogik.
Ab 1982 lehrte er zusätzlich am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck Kontrapunkt und Musik des 20. Jahrhunderts.
1990 bis 1995 war er Direktor des Vorarlberger Landeskonservatoriums in Feldkirch.
Essenziell für die österreichischen Konservatorien war sein wesentlicher Beitrag zu einem modernen Curriculum für ein neuartiges IGP-Studium. Es ermöglichte die notwendige Durchlässigkeit in Richtung Musikhochschulen. Höhere Absicht dahinter war, die Konservatorien selbst zu Musikhochschulen zu machen, denn er hat schon früh erkannt, dass die vom Bund sukzessive mit immer mehr Macht und Möglichkeiten ausgestatteten Musikhochschulen die Konservatorien in die Krise katapultieren. Der spätere Bologna-Prozess hat das Dilemma der Konservatorien drastisch-dramatisch aufgezeigt. Dieses Dilemma besteht weiterhin!
1969 wäre das Konservatorium Innsbruck beinahe Musikakademie geworden. Der Bund hat sich nach kontroversiellen Diskussionen schließlich dagegen ausgesprochen. Es ist ein einziger großer Jammer, dass Dr. Günther Andergassen zu dieser Zeit in einem italienischen Gefängnis saß und SEIN Konservatorium nicht in diesem wichtigen Anliegen unterstützen konnte!
Für seine vielfältigen Leistungen ist er 1991 mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol ausgezeichnet worden.
Nicht alle seine Ziele konnte er verwirklichen. Menschenwerk muss immer Stückwerk bleiben. Den Status des Konservatoriums auf das Niveau der Musikuniversitäten zu heben wird u.a. meine Aufgabe, das lebenslange Ringen Prof. Andergassens um Frieden und Freiheit fortzuführen unser aller Aufgabe sein.«
(Dr. Nikolaus Duregger, Direktor des Tiroler Landeskonservatoriums, 2016)


In memoriam Martin Antretter

Bild    Martin Antretter

Martin Antretter wurde am 9. 1. 1931 in Westendorf geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. In den frühen Nachkriegsjahren arbeitete er hauptberuflich zwar noch als Holzknecht, schlug dann allerdings eine Laufbahn als Berufsmusiker ein. 1973 heiratete er und gründete eine Familie, aus der 3 Kinder hervorgehen.
Schon als junger Bub erlernte Martin das Zitherspiel von Karl Rietzler, dieses Instrument sollte später seine musikalische Laufbahn prägen. In den 50er Jahren stand allerdings auch ein anderes Instrument – die Klarinette – im Vordergrund. Neben seiner Mitwirkung in der Musikkapelle spielte Antretter in diversen Tanzmusik-Formationen.
Schon 1951 ergab sich der erste Auslandsauftritt mit TV-Aufnahmen (gemeinsam mit der Gruppe Sophie Wilhelm) in London.
Von 1953 - 1958 bestand das legendäre Salvenberg Trio, das Martin Antretter (Zither, Klarinette) gemeinsam mit Karl Rietzler und Jakob Oberhauser bildete. Die Besetzung mit Kontragitarre, Harmonika und Zither/Klarinette sowie die anspruchsvollen und schwungvollen Stücke sind Kennern auch heute noch in Erinnerung. Bekannte Stücke wie z.B. die »Spielhahnpolka« oder »Auf der Kalbei-Alm« gehen auf diese Zeit zurück und wurden von Antretter komponiert.

Bild    Salvenberg Trio

Von 1958 – 1969 war Martin Antretter abwechselnd im bekannten Kufsteiner »Auracher Löchl« sowie im Amsterdamer Cafe »Zirbelstube« (während der Wintersaison) engagiert.
In den frühen Siebzieger Jahren wirkte Martin Antretter gemeinsam mit Fritz Koch, Leonhard Schipflinger sowie Peter Hechenblaikner in der Saitenmusik Koch-Antretter, es kamen auch etliche Rundfunkaufnahmen zu Stande.
Es folgten viele weitere Auftritte mit der Zither im In- und Ausland, wie beispielsweise vor der königlichen Familie in Holland oder in der amerikanischen Botschaft in Wien. Im Rahmen der Bundeswirtschaftskammer gab es Auftritte in Hong Kong, Tokyo, Manila, Caracas usw. Aber auch in der lokalen Umgebung war Martin Antretter fest verankert, wie beispielsweise beim Stanglwirt in Going oder in der Griessner Alm, wo er auch gemeinsam mit dem Wirt Fritz Dornauer und Fritz Koch musizierte. Beim Postwirt in Westendorf schließlich spielte Martin Antretter regelmäßig über viele Jahrzehnte und auch bis zuletzt im Juni 2010. Der Vollblutmusikant war bis kurz vor seinem Ableben in seinem so geliebten Beruf noch höchst aktiv.
Martin Antretter erhielt die Auszeichnungen »Goldener Musikant« sowie 1987 die Verdienstmedaille des Landes Tirol.
Am 4. August 2010 verlor die Tiroler Volksmusik mit Martin Antretter einen großen Musiker und Komponisten.
(Rainer Antretter, 2010)

Kompositionen
Auf der Goasalm, Auf der Kalbei Alm, Fleiding Landler, Auf der Leitn, Juhee Sennerin, Spielhahnpolka, sDirndl gfreits, Die Gamslan, Rund und kuglat, Gruß von der Hohen Salve, Abendstimmung, Beim Lendwirt is lustig, In der Brennhüttn.

Bearbeitungen
Wenn wir am Sonntag in die Kirche gehen, Verheirat', verheirat' bin i, Wo die Alpenrosen blüh'n, Ja weil du so schön tanzen kannst, sWeiberl jesas na.


In memoriam Roland Jordan

Bild Roland Jordan Weint um mich, doch nur mit Freudentränen,
denn ich will euch fröhlich einst begegnen.
Weiße Rosen soll es reichlich regnen
auf verborgne Teiche und Fontänen.
                 (Roland Jordan, November 2019)
Roland Jordan (7.9.1943 - 14.1.2020)

Roland Jordans Leben war von Anfang an nicht auf Rosen gebettet:
Mitten im Zweiten Weltkrieg geboren, wuchs er zusammen mit zwei Brüdern in bescheidenen Verhältnissen in Innsbruck auf.
Der Vater kehrte aus dem Krieg nicht mehr heim, so war es für die Witwe in der Nachkriegszeit schwer, drei Söhne alleine
aufzuziehen.
Bei Roland zeigte sich schon früh ein ausgeprägtes Interesse für die Musik, in die er schon mit acht Jahren durch den Unterricht eines Tiroler »Wander-Zitherlehrers« eingeführt wurde. Der erste Lehrer August Schiener brachte dem musikalischen Schüler die Grundkenntnisse des Zitherspiels bei und bald konnte er Lieder und Weisen auf einer geschenkten kleinen Zither bei Hauskonzerten vortragen. Neben seiner schulischen Ausbildung an der Handelsakademie und später neben seinem Beruf als Bankangestellter studierte er am Innsbrucker Konservatorium bei Prof. Peter Suitner, der schon früh der Zither - die damals vorwiegend in der Volksmusik beheimatet war - innovative Wege mit neuen Kompositionen und mit Bearbeitungen aus der Alten Musik erschlossen hat. Als Zithersolist wurde Roland Jordan bekannt und zu Konzerten im In- und Ausland eingeladen. Rundfunksendungen und Schallplattenaufnahmen folgten. Bei zahllosen Auftritten bot er ein umfassendes Repertoire, neben den klassischen Komponisten der Zithermusik (Grünwald, Haustein, Schneider etc.) spielte er auch Bearbeitungen von Alter Musik und Werken aus der Klassik und Romantik sowie Lieder des Tiroler Musikers Sepp Weidacher. Auch das Gitarrenspiel faszinierte ihn, das er noch als Erwachsener erlernte und damit seine musikalische Arbeit bereicherte.
In seiner Familie konnte er - Vater von zwei Töchtern - die Begeisterung für das Instrument Zither seiner Tochter Isolde, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Harald Oberlechner am Tiroler Landeskonservatorium unterrichtet, weitergeben.
Die Pflege und Weiterentwicklung der Zither war Roland Jordan ein großes Anliegen. Liebevoll kümmerte er sich um jedes alte, noch so kleine Instrument und ließ es restaurieren, um es für Interessierte spielbereit zu machen. Bei Kontakten zu Musikern und Instrumentenbauern - vor allem in Ostdeutschland - suchte er unermüdlich nach neuen Möglichkeiten für die Zither, um ihr neben der Volksmusik den Zugang zu anderen Musikbereichen zu öffnen und ihr mehr Anerkennung in der allgemeinen Musikwelt zu verschaffen.

Roland Jordan war auch der Poesie sehr zugetan, schon in jungen Jahren verfasste er Gedichte, die er bei Lesungen und
Konzerten vortrug. Seine Musikalität prägte seine Lyrik, mehrere Lyrikbände geben Einblick in sein literarisches Schaffen. Die Verbindung von Literatur und Musik stellte er sich zur Aufgabe, die er als langjähriger Präsident der Innsbrucker Vereinigung »Turmbund - Gesellschaft für Literatur und Kunst« immer wieder bei Veranstaltungen verwirklichte. Dabei unterstützte ihn auch seine Frau Margit, die ihm als Programmchefin, Lektorin und Geschäftsführerin des Vereins den Rücken freihielt für seine musikalische und literarische Arbeit. Mit der beliebten sonntäglichen Matineen-Reihe, dem Konzertcafé im Hofgartencafé, später im Hotel »Grauer Bär« in Innsbruck, wurde eine gelungene Symbiose von Literatur und Musik geschaffen: Seit 1984 stellt es ein einmaliges Veranstaltungsformat dar, ein Forum für viele Kunstschaffende und deren interessiertes Publikum. Hier konnte sowohl Tradiertes als auch Neues aus Literatur und Musik erprobt werden. Dank seiner Vortragskunst und Rednergabe war Roland Jordan als Moderator bei zahlreichen Veranstaltungen im Einsatz und als Förderer seiner Künstlerkollegen unermüdlich tätig.

Mit seinem vielfältigen Wirken und integrativ-ausgleichenden Wesen hat Roland Jordan in unserer schnelllebigen Zeit vielen Freunden der Literatur und Kunst unvergessene Eindrücke und Erlebnisse geschenkt. So wird er den Musik- und Literaturbegeisterten in dankbarer Erinnerung bleiben.
 
(Familien Jordan und Oberlechner)

 
ERDE UND HIMMEL

Gib den scharfen Falken uns und auch
den neuen vollerblühten Rosenstrauch,
gib uns die wilden Winde dicht durchsonnt
und Pappelblätter hoch am Horizont.

Gib täglich uns den frischen Erdenblick
und abendliche Lautentraummusik,
gib jeden Morgen weisen Tatendrang,
und mondhell aufgebrochnen Sphärenklang.

Gib Orchideen, Lupinen, Akelei,
gib Zither uns, Piano und Schalmei,
gib uns die neue Erde grenzenlos,
den neuen Himmel auch gigantisch groß.

                        (Roland Jordan, November 2019)


In memoriam Norbert Leutschacher

Bild Norbert Leutschacher    Norbert Leutschacher (1941-2019)
Einer, der das Herz der Zuhörer berühren konnte

Sechs Uhr morgens. Halbdunkel. Zitherklänge. Schwingt da nicht ein Engele mit? Ja noch eins und noch eins. Norbert spielt zum Rorate. Noch liegen kleine Schneekristalle auf unseren Wintermänteln. Und plötzlich, so sanft wie sein Saitenspiel, geschieht das Wunder: »Die Engelen dö kugelen ganz haufnweis hervor«. Advent in St. Nikolaus. Bald darauf ... »Es wird scho glei dumpa ... «. »Die Welt ist Klang«, so nennt sich denn der Buchtitel eines Musikexperten. Norberts Leben war Klang. Und er setzte sich fort in uns Pfarrkindern. Es überrascht deshalb nicht: Sein umgängliches Wesen fand Anklang. Das Leben ist ein einziger Klangkörper. Jeder hat ihn. Auch die, denen verkehrte Lehrer einzureden versuchten, dass sie so gar nicht musikalisch seien. Norbert verstand es, die besten Saiten unserer Pfarrgemeinde zum Klingen zu bringen. So möge sein Nachruf denn im »Dreiklang« (Anm.: so heißt der Pfarrbrief unseres Innsbrucker Seelsorgeraumes Hötting/St.Nikolaus/Hungerburg) seinen Klangort haben. Es wird nicht lang »dumpa« gewesen sein als Norbert am 22. August oben ankam. Die Engelen kannten ihn ja schon und begrüßten alt-vertraut ihr St. Nikolauser Lieblingskind. Aber auch wir herunten, die irdischen Engele-Bengele und Bengele-Engele, ließen uns von ihm gerne in seine Zitherklänge oder im Pfarrcafé in seine Singsprüche nehmen. Er war eben ein einnehmender Mensch. Am 22. August ist er - im Licht der Ewigkeit betrachtet, eine halbe Nanosekunde vor uns - heim-gegangen, zurückgekehrt zu seinem Sohn. Damit hat sich seine Lebenswunde, in Würde getragen, schließen dürfen. Der Volksmusik- und Krippenfreund war in unserer Pfarre eine Schlüsselfigur. Norbert leitete über Jahrzehnte das Mariensingen am 8. Dezember, war der gute Geist dahinter, dass das Singen der Klagelieder des Jeremias in der Passionswoche nicht verloren ging. Er war Treue in Person, in seiner Kindheit schon als Ministrant, späterhin als Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenrat, als Mitglied der Katholischen Männerbewegung, als Lektor, Kantor, Kommunionhelfer, bei den Donnerstag-Abendandachten, bei den Exerzitien im Alltag und in seinem Stammbeisl »Pfarrcafé«. Und, und, und ... Er, der so viele Dienste für St. Nikolaus tat, war, was alles überwiegt, ein so liebevoll sich sorgender Ehemann für Annemarie, die wir besonders in dieser schweren Zeit begleitet wissen wollen. Norbert war so fröhlich wie spirituell auch, so leutselig wie tiefsinnig auch. All das, was man einen lieben Kerl nennt, über den man als Freund, als Nachbar oder Schwiegerpapa sich freuen kann. Er war so selbstverständlich hilfsbereit, man konnte sich ihn gar nicht anders vorstellen. Er war geerdet, sein froher Sinn immer den Menschen zugewandt. Zugleich konnte er einfühlsam und kritisch zugleich über den Glauben reden. Die Krise der Kirche registrierte er, sie tangierte ihn aber nicht in seinen Grundfesten. Er zeigte uns, was für eine heilsame Wirkung doch der Humor hat. Darin war er einzigartig. Es gibt ja durchaus humorige Leute, die bei geistigen Fragen aber schnell einmal Aspirin brauchen und es gibt durchaus vergeistigte Leute, die das Lachen verlernt haben. Humor und Spiritualität waren bei ihm in Freundschaft, die er so gerne teilte, ungeschieden beisammen und das eine schien das andere zu speisen. Kurzum: Er war ein runder Mensch, eine treue Seele und bei allen sehr beliebt. So stolz hat er auch immer, im Verein mit Annemarie, von den Kindern erzählt. Er wird die Zither wohl mitgenommen haben und dort oben für mehr musikalische Abwechslung sorgen (damit nicht immer nur Halleluja gesungen wird, was in einem Münchner-Schwank schon einen Weiß Ferdl ganz schön genervt hat). Wir freuen uns, wenn Du, lieber Norbert, uns dereinst einmal, wenn wir oben eintrudeln, uns zum Einstand mit sanften und frohen Zitherklängen empfangen wirst. Pfiat Di!
Im Glauben vereint für die St. Nikolauser Pfarrfamilie
Peter Stöger

Stellvertretend für alle (Zither)Freunde von Norbert danken wir Prof.Dr. Peter Stöger für diese treffenden und tröstenden Zeilen!
isolde jordan + harald oberlechner


In memoriam Anny und Franz Loibl

Bild    Anny Loibl

Anny Loibl (geb. 1924), eine der engagiertesten, fleißigsten und warmherzigsten Persönlichkeiten der österreichischen Zitherszene, ist im Sommer 2018 im 93. Lebensjahr verstorben. Die letzten Jahre verbrachte sie sehr zurückgezogen in Wien, wo auch zu aktiven Zeiten ihr Lebensmittelpunkt war.
Vielen Zitherspielern und Zitherbauern war sie wohl eine vertraute Erscheinung, ist sie doch zu sämtlichen größeren Zitherveranstaltungen, Zithermusiktagen, Zitherfestivals, Seminaren, Volksmusik- und anderen Wettbewerben angereist und war einfach da, gehörte einfach dazu. Und das in der ihr eigenen bescheidenen, zurückhaltenden Art, immer offenen Ohrs und Geistes für neue Entwicklungen und Begegnungen. Sie war da und nahm an allem regen Anteil, und das, obwohl sie selbst nicht Zither spielte!! Wie das?

Bild    Franz Loibl

Den Älteren von uns wird nicht nur Anny, sondern auch ihr Gatte Franz Loibl (1911-1994) unvergessen bleiben. Sein Einsatz in Sachen Zither und sein Enthusiasmus waren grenzenlos und ansteckend. Selbst leidenschaftlicher Spieler, Schüler und Freund von Richard Grünwald, war er Leiter der Fachgruppe Zither des VAMÖ (»Verband der Arbeiter-Musikvereine Österreichs«, heute »Verband der Amateur-Musikvereine Österreichs«) und widmete vor allem die Zeit nach seiner Pensionierung - er war im Lebensmittelhandel tätig - ganz dem Instrument. In seiner Frau Anny, Rechtsanwalts-Sekretärin von Beruf, fand er die ideale Unterstützung. Gemeinsam kümmerten sie sich nach Richard Grünwalds Tod um den Grünwald-Verlag (bevor dieser vom Grünwald-Enkel Michael Brandlmeier übernommen wurde), sie pflegten internationale Kontakte, reisten von Ereignis zu Ereignis und besuchten Zitherspieler nah und fern (gern erinnere ich mich an ihre Besuche bei uns zu Haus, da wurde unermüdlich mit meinen Eltern gefachsimpelt, gespielt, notiert - oft hörte man »Anny, schreib auf!«). Die beiden wurden auch gern besucht: Die Loibls waren ein »Hafen« für Zitherspielende aus aller Welt. Auskünfte zu Zitherspielenden oder Zitherfakten - persönlich, telefonisch oder brieflich - wurden jederzeit prompt gegeben, die beiden - besonders Anny - waren lebende Zitherlexika.
Und last not least entwickelte sich Franz Loibl zur Galionsfigur der österreichischen Zitherseminarszene. Angeregt von Alois Sageder (ebenfalls im VAMÖ tätiger Vertreter der Wiener Zitherszene, der in späterer Folge auch zum Seminarleiter avancierte) leitete Franz Loibl vor rund vierzig Jahren die ersten Zitherseminare im legendären Großrußbach (jetzt in Zeillern) und in Strobl/Wolfgangssee.
Anny war dermaßen verwachsen mit diesem vielschichtigen Tun, dass sie nach dem Tod von Franz in seinem Sinne weitermachte und Teil der Zitherfamilie blieb. Dass sie sich in hohem Alter noch einige Fernreisen gönnte, spricht für ihren Wissens- und Entdeckerdrang und ihr langes Jung-Sein.
Wir werden Anny in allerbester Erinnerung behalten als mitdenkenden, mitfühlenden und großzügigen Menschen, der die Freundschaft und das Miteinander sowie das Dienen an der guten Sache vorbildlich verinnerlicht hatte.
(Danke an Alois Sageder und Hermine Kaleta vom »VAMÖ« fürs informative Gespräch sowie die Zusendung von Daten und Fotos!)
(ij 2018)


In memoriam Adolf Meinel

Bild Adolf Meinel    Adolf Meinel

Am 25. Mai 2009 verstarb im Alter von fast 99 Jahren einer der bekanntesten Zithernbauer, der Nestor der Markneukirchener Instrumentenbauer, Adolf Meinel.

Adolf Meinel wurde am 30. Oktober 1910 in Markneukirchen als Sohn von Adolf Friedrich Meinel (1872 – 1953) geboren. Nach Beendigung seiner Schulzeit absolviert er zunächst eine kaufmännische Ausbildung. Anschließend erlernte er in der traditionsreichen elterlichen Instrumentenbauwerkstätte den Beruf des Zitherbauers und legte 1929 die Gesellenprüfung mit Auszeichnung ab. Im Jahre 1936 bestand er auch die Meisterprüfung als Zupfinstrumentenbauer.

Wahrscheinlich hätte es für Adolf Meinel nie etwas anderes gegeben als diesen Beruf. »Ich war gut in der Schule, aber ich wollte arbeiten, in der Werkstatt Instrumente bauen. Zitherbauer ist kein Beruf, dazu muss man geboren sein. In den Instrumenten steckt eine Seele, die man ihnen gibt.« Der Arbeitsalltag des Instrumentenbauers begann schon früh: Morgens um 4.30 Uhr aufstehen, die Werkstatt heizen, alles für sich und die Gesellen vorbereiten, um pünktlich um 6.00 Uhr mit der Arbeit beginnen zu können

Adolf Meinel fertigte in dritter Generation des bereits von seinem Großvater im Jahre 1862 gegründeten Betriebes Zithern und Gitarren, die in der ganzen Welt hohe Anerkennung fanden. In enger Zusammenarbeit mit seinem Vater wurde die Klangqualität der Meinel-Zithern auf ein außerordentliches Niveau angehoben. Zusätzlich befasste sich Adolf Meinel aber auch mit der Weiterentwicklung der Saiten. Er erprobte und berechnete die günstigsten physikalischen Zusammenhänge zwischen der Mensur, der Saitenspannung, dem Saitenkern und der Umspinnung der Saiten, um eine optimale Klangqualität auch im Bereich der Saiten zu gewährleisten.

In den 30er Jahren interessierte sich Adolf Meinel in besonderem Maße für die Entwicklung der Quint- und Basszither. Dadurch war es möglich, auch die Zitherspieler – wie in einem klassischen Quartett – mit Quint-, Diskant-, Alt- und Basszither gemeinsam musizieren zu lassen. Was nur wenige wissen, ist die Tatsache, dass Adolf Meinel eine Zeitlang auch Zither- und Gitarrenunterricht erhalten hat, und zwar von dem Zithervirtuosen Ernst Rommel, Lehrer für Zither an der Franz-Liszt-Hochschule in Weimar.

Seit etwa 1930 beschäftigte sich Adolf Meinel – zunächst mehr aus persönlichen Gründen – mit dem Bau von Gitarren. Daraus entwickelte sich dann ein zweiter Geschäftsbereich. Diese Entwicklung sollte sich später als sehr nützlich erweisen, half sie doch mit, während der DDR-Zeit den Fortbestand der traditionsreichen Instrumentenbauwerkstätte zu sichern. Adolf Meinel äußerte sich folgendermaßen dazu: »… ich habe durch den Bau beider Instrumente Einblicke gewonnen, die ich als Nur-Zitherbauer oder als Nur-Gitarrenbauer niemals hätte erwerben können …«.

Die Werkstatt Adolf Meinel war besonders in den Jahren 1920 bis 1940 und auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Bau der Berliner Mauer eine Drehscheibe in der Zitherwelt. Fast alle führenden Zithersolisten wie Wilhelm Otto Mickenschreiber, Ferdinand Kollmaneck, Otto Blasius, Ernst Rommel, Fred Rüffer, Josef Haustein, Wilhelm Tafelmayer, Max Schulz, Max Albert, Emil Holz, Ewald Kuchenbuch und der langjährige Vorsitzende des Zentralverbandes Deutscher Zithervereine, Albert Bernet (um nur einige zu nennen), gingen in dieser Werkstätte ein und aus oder standen mit Adolf Meinel senior und junior in brieflichem Gedankenaustausch. Die noch vorhandenen Briefwechsel geben uns heute einen Einblick in die damals bereits vorhandene intensive Zusammenarbeit von Zitherbauer und Zitherspielern. Die schriftlichen Kontakte mit den Zitherspielern pflegte der damalige Adolf Meinel junior über einen sehr langen Zeitraum bis in die 90er Jahre hinein und nicht selten schrieb er bis zu 15 Briefe an einem Tag, und das natürlich mit der Schreibmaschine. Obwohl oder gerade weil es den PC noch nicht gab, waren seine Briefe grundsätzlich fehlerfrei. »Das war immer herrlich, diese persönlichen Verbindungen mit den Musikanten. Aus jedem Jahr habe ich 10 Ordner mit Briefen. Darin haben wir alles besprochen, und aus jedem leuchtet eine gegenseitige Achtung heraus«.

Neben seiner Arbeit in der Instrumentenwerkstatt besaß Adolf Meinel nur ein Hobby: das Bergwandern. So wurden nach dem Zweiten Weltkrieg u. a. drei Viertausender in der Schweiz bestiegen, selbstverständlich mit einem Zitherfreund.

Während der schwierigen Zeit des realen Sozialismus in der DDR war ein Güteraustausch mit der Bundesrepublik Deutschland und anderen Ländern nur über die staatlichen Vertriebswege möglich, sowohl bei den Gitarren als auch bei den Zithern. Obwohl sich nun der Produktionsschwerpunkt auf die Gitarren verlagerte und Adolf Meinel sich gezwungen sah, Angestellte zu entlassen, wurden nach wie vor Zithern gebaut. Auch die Instrumente aus dieser Ära wurden stets als Künstlerinstrumente in bewährter, bester Qualität ausgeliefert.

Obwohl er eigentlich mit 79 Jahren ans Aufhören gedacht hatte, stürzte sich Adolf Meinel nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten noch einmal in die Arbeit und stellte – zusammen mit seiner Tochter Ulrike, die selbst ihren Meisterbrief seit 1982 besitzt, wieder verstärkt Zithern her. Die Übergabe der Werkstatt erfolgte also über viele Jahre hinweg, die Tradition wurde nahtlos an die nächste Generation weitergegeben. Heute werden in dieser Werkstatt fast ausschließlich Zithern gefertigt und Reparaturen durchgeführt.

Im Jahre 2004 konnte der Jubilar zusammen mit seiner Frau die Diamantene Hochzeit feiern. Die beiden waren 60 Jahre verheiratet und lebten nach wie vor in der eigenen Wohnung. Adolf Meinel lebte - bis kurz vor seinem Tod - noch sehr aktiv für sein Alter und vollkommen selbständig, bei geistiger Frische und vollkommener Interessiertheit am Geschäft und am Weltgeschehen. Er löste weiterhin seine Kreuzworträtsel und machte seinen täglichen Rundgang durch die Stadt; seine Energie beispielgebend, auch für seine vier Enkelkinder.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Adolf Meinel mit seiner Arbeit bleibende Maßstäbe im Zitherbau gesetzt hat, seine Instrumente sind auch heute noch beliebt und gesucht. Er hat sich stets für die Weiterentwicklung der Zither, für die Herstellung bester Zithersaiten und für optimales Bünde-Material eingesetzt.

Der Deutsche Zithermusik-Bund verliert mit Adolf Meinel einen seiner renommiertesten Zitherbauer. Er hat die Geschichte des Zitherbaus über viele Jahrzehnte mitgeprägt und sich um die Zither und die Zithermusik große Verdienste erworben. Alle, die Adolf Meinel auch persönlich kennengelernt haben, werden sich immer gerne an ihn erinnern.

(Artikel von Heinz Mader, Präsident des Deutschen Zithermusik-Bundes, Quelle: Saitenspiel, Heft 4/2009, Zeitschrift des DZB)


In memoriam Ernst Volkmann

Bild Ernst Volkmann    Ernst Volkmann

Am 6. Oktober 2009 starb im Alter von 88 Jahren in Ingolstadt einer der bekanntesten Zitherbauer, Ernst Volkmann.

Ernst Volkmann wurde am 22. Juni 1921 in Schönbach (Böhmen) als Sohn von Hans Volkmann (»Leopoldnhans«) geboren. Er besuchte 5 Jahre lang die Volksschule, danach 3 Jahre die Bürgerschule in Schönbach. Von 1935 bis 1938 absolvierte er eine Lehrzeit als Geigenbauer, anschließend arbeitete er ein Jahr als Geselle in der Werkstatt seines Vaters.

Am 2. Oktober 1939 wurde er zum Wehrdienst in die Luftwaffe einberufen. Von November 1940 an war er Flugzeugführer, hauptsächlich auf Stukas, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 8. Mai 1945. Vor der kurzen Gefangenschaft bei den Amerikanern flog Ernst Volkmann einmal mit seiner Maschine bis nach Schönbach und landete dort.

Anschließend wurde er zum Arbeitsdienst bei den Tschechen einberufen und arbeitete dort bis zur Vertreibung am 17. August 1946.

In Ingolstadt fand er mit seiner Familie eine neue Heimat. Zunächst arbeitete er mit seinem Vater bei Vinzenz Jung in Langquaid als Geselle für Reparaturen. Im August 1947 eröffnete sein Vater Hans Volkmann in Ingolstadt, Griesmühlstr. 12, wieder eine eigene Werkstatt, damals die einzige zwischen München und Nürnberg sowie Regensburg und Donauwörth. Der Bedarf an Reparaturen und neuen Instrumenten für Theater und Kammerorchester, für Gymnasien und Realschulen war sehr groß. Im Januar 1948 trat auch Ernst Volkmann wieder in die Werkstatt seines Vaters ein. Durch viele Reparaturen an alten Instrumenten kam er schließlich zum Zitherbau. 1953 machte er sich selbstständig und mietete in der Remise 38 in Ingolstadt eine größere Werkstatt, in der dann auch sein Vater mitarbeitete.

Die Firma Ernst Volkmann wurde schnell bekannt. Es wurden alle Arten von Zithern in dieser Werkstatt hergestellt. Auch ausländische Kunden wurden beliefert, z.B. aus Österreich, der Schweiz, Holland, Italien, aus den USA, aus Neuseeland und Japan.

Zum größten Erfolg wurde 1969 die Entwicklung der Zither in Psalterform. So kam Ende der 1950er Jahre Richard Grünwald bei einem Besuch in Ingolstadt in die Zitherbauwerkstatt von Ernst Volkmann. Dieser fragte Grünwald: »Wieso lehnen Sie die Basszither so entschieden ab, da wir doch im klassischen Zitherquartett, ähnlich wie im Streichquartett, ein Bassfundament brauchen?« Lapidar erwiderte Grünwald, dass alle Instrumente, die tiefer als die Altzither sind, doch keinen befriedigenden Ton hergäben. Doch Ernst Volkmann machte sich daran, trotz der Skepsis von Richard Grünwald eine eigene Basszither zu entwickeln.

Die intensive Beschäftigung mit theoretischen Ausarbeitungen über den Kontrabass führte ihn schließlich zu der Erkenntnis, dass zur Erzeugung tieferer Töne die Mensuren und Saitenlängen deutlich länger und die Saiten selbst mehr Masse bekommen müssten. Dass der neu entwickelten Basszither wegen ihrer neu entwickelten Form und ihrer Größe anfangs noch mit Skepsis begegnet wurde, war nicht verwunderlich, doch der warme Ton fand schließlich Anerkennung und Bewunderung.

Der Komponist Alfred von Beckerath war vom Klang der neuen Volkmann’schen Basszither so angetan, dass er spontan für Fritz Wilhelm, der Volkmann bei der Entwicklung des neuen Instrumentes in jeder Weise unterstützt hatte, eine Suite komponierte. Diese wurde 1974 von Fritz Wilhelm im Beisein des Komponisten in einem Jubiläumskonzert für Alfred von Beckerath in Ingolstadt-Mailing uraufgeführt.

War es zunächst nur die Absicht Volkmanns, durch die Entwicklung der Psalterform die Basszither zu verbessern, so wurde er schließlich von Zitherspielern bedrängt, insbesondere auch von Fritz Wilhelm, diesen neuartigen Resonanzkörper auch beim Bau der Alt- und Diskantzither anzuwenden. Die erste Altzither in Psalterform wurde 1974 fertiggestellt und von Fritz Wilhelm erstmals bei einem Solistenkonzert im Schubertsaal in Wien der Öffentlichkeit präsentiert. Dr. Knotzinger, ein Vertreter der Wiener Besaitungsart, urteilte damals nach dem Konzert begeistert: »Diese Altzither ersetzt im Klangvolumen zwei gute Gitarren!« Ein komplettes Zitherquartett in Psalterform wurde dann erstmals 1981 bei den Zithermusiktagen in Stuttgart vorgestellt. Es fand viel anerkennende Beachtung und mancher Skeptiker ließ sich überzeugen.

Im Dezember 1983 wurde die Arbeit Ernst Volkmanns jäh unterbrochen. Die Folgen einer zunächst nicht so schwierig eingeschätzten Kropfoperation, ein Schlaganfall und eine Lungenembolie hielten ihn wochenlang auf der Intensivstation fest, wobei die Aussicht auf Genesung zunächst sehr gering war. Erst nach einem halben Jahr hatte er sich so weit erholt, dass er langsam seine Arbeit wieder aufnehmen konnte.

Schon bei den Zithermusiktagen 1984 in Regensburg stellte er eine neue Generation des Zitherquartetts in Psalterform vor, wobei jedes Instrument auf einem eigenen Resonanztisch stand, der nach den Prinzipien eines Instruments als eigener Resonanzkörper gebaut worden war.

Die größte offizielle Anerkennung seiner Entwicklungsarbeit erntete Ernst Volkmann, als ihm anlässlich der Musikmesse in Frankfurt/Main der »Deutsche Musikinstrumentenpreis 1993« zuerkannt wurde. Die Tests hierzu waren von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig durchgeführt worden. Von 100 möglichen Punkten erhielt seine Zither in Psalterform 96 Punkte. In den Kategorien Klangfarbe, Klangfülle, Dynamik, Ausgeglichenheit, Klang der Griffsaiten, Klangreinheit, Spielbarkeit, Bundreinheit, Stimmbarkeit, äußeres Erscheinungsbild, Akzeptanz der Besonderheiten sowie im Preis-Leistungsverhältnis erzielte seine Psalterzither jeweils den ersten Rang. Noch im gleichen Jahr wurde seine Zither in Psalterform auch mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet.

Aber noch eine weitere Entwicklung von Ernst Volkmann soll erwähnt werden: das Psaltrinchen. Dieses Instrument mit einem Griffbrett mit 36 cm Saitenmensur lässt einen geringen Saitenzug zu, sodass auch jungen Kindern das mühselige Drücken auf die Saiten wesentlich erleichtert wird. Ernst Volkmann hat mit seinen Entwicklungsarbeiten, insbesondere der Psalterzither, bleibende Maßstäbe im Zitherbau gesetzt hat und die Entwicklung im Instrumentenbau einen bedeutenden Schritt vorangetrieben.

Der Deutsche Zithermusik-Bund verliert mit ihm einen seiner renommiertesten Zitherbauer. Er hat die Geschichte des Zitherbaus über viele Jahrzehnte mitgeprägt und sich um die Zither und die Zithermusik große Verdienste erworben. Alle, die das Glück hatten, Ernst Volkmann auch persönlich kennengelernt haben, werden sich mit Sicherheit gerne an ihn erinnern.

(Artikel von Heinz Mader, Präsident des Deutschen Zithermusik-Bundes, Quelle: Saitenspiel, Heft 6/2009, Zeitschrift des DZB)